Ein barrierefreies Umfeld schaffen.

Im Alter zuhause wohnen bleiben.

"Zuhause alt werden", dieser Wunsch steht bei den meisten Menschen ungebrochen an erster Stelle. Viele Erinnerungen hängen direkt mit der gewohnten Umgebung zusammen. Freunde und Bekannte, die Familie, der Verein, die Aussicht vom Balkon oder auch einfach nur die Haus- und Hofstrecke beim Spaziergang – im Lauf der Jahre hat man viele Dinge lieb gewonnen und möchte diese nicht so einfach aufgeben. Mit einer barrierefreien Umgebung schafft man in jedem Fall die Basis, um sich diesen Wunsch zu verwirklichen.



Wer bei "barrierefrei" und "altersgerecht" sterile, unförmige, klinikähnliche Bilder im Kopf hat, kann sich getrost von diesen befreien. Denn in einem barrierefreien Umfeld zu leben, ist nicht nur ein Thema fürs hohe Alter. Auch jüngere Menschen, beispielsweise Familien mit Kindern und deren Kinderwagen, können von einem Zuhause ohne Hindernisse profitieren. Außerdem können unvorhergesehene Ereignisse zu langfristigen oder zeitlich beschränkten körperlichen Einschränkungen führen. In einem Zuhause ohne Stolpersteine ist dann häufig ein selbstständiges Wohnen und sich frei bewegen können noch gut möglich.

Woran erkennt man zum Beispiel einen Haushalt, indem kleine Kinder wohnen? Genau: Die untersten Schubladen sind von zerbrechlichen Sachen befreit, Steckdosen haben eine Kindersicherung, Nachtlichter stecken in den Steckdosen, Kleiderhaken sind plötzlich auch in Hüfthöhe angebracht, Stühle und Tische schrumpfen auf Miniaturgröße und alle Gegenstände, an denen sich die neuen Mitbewohner vom Sitzen ins Stehen hochziehen, sind stabil und standfest. So ähnlich verläuft dieser Prozess auch bei einer Umrüstung der Wohnung in Richtung barrierefrei und altersgerecht.

Als erstes gilt – erhalten Sie sich Ihre Unabhängigkeit: Schaffen Sie Platz und räumen Sie um. Dinge, die Sie häufig benutzen, kommen in eine optimale Greifhöhe, selten benutze Gegenstände wandern entweder in ein anderes Stockwerk oder in die obersten Fächer. Legen Sie Ihre täglichen Wege auf ein Stockwerk: Schlafbereich, Sanitärräume, Küche und Wohnen. Schreiben Sie auf, was Sie in Ihrem Zuhause und Tagesablauf behindert, und überlegen Sie dann gemeinsam mit Ihren Angehörigen, wie man diese Hindernisse beseitigen kann. Machen Sie Licht! Über Nachtlichter und Bewegungsmelder können Sie auch nächtliche Gänge stolperfrei zurücklegen.

Doch allein mit Umräumen ist es häufig nicht getan: Ein verwinkeltes Bad, eine in die Jahre gekommene Küche oder eine steile Treppe kann man nicht einfach so barrierefrei umrüsten. Denken Sie hier schon frühzeitig bei Modernisierungsmaßnahmen auch an später. Eine bodengleiche Dusche läuft heutzutage schon beinahe als „Standard“ und die Auswahl und Umsetzungsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Auch für kleine Bäder gibt es kreative Lösungen. Sprechen Sie hier Experten auf eine individuelle Lösung an. So gibt es beispielsweise vom Zentralverband des deutschen Handwerks e. V. das Markenzeichen „generationenfreundlicher Betrieb Service+Komfort“. Dort gelistete Unternehmen bieten Produkte oder Dienstleistungen mit Blick auf die besonderen Anforderungen für barrierefreies und altersgerechtes Wohnen an.

Küchen mit technischen Geräten auf Arbeitshöhe sind auch bereits in jungen Jahren ein Gewinn und erhöhen die Freude am Kochen. Die Möglichkeiten einer Individualisierung von Arbeitshöhen und die Verlegung technischer Geräte und Installationen besprechen Sie am besten mit den Fachleuten des Küchenbaus.

Steile Treppen überwinden – hier denken viele gleich an Treppenlifte. Überlegen Sie, ob für Sie zum Beispiel auch ein innenliegender Lift zwischen den Stockwerken in Frage kommt oder ob ein Außenlift an der Außenwand umsetzbar wäre. Manchmal helfen allerdings auch bereits stabile, beidseitige Handläufe, um auch weiterhin mit einer Treppe zurechtzukommen.

altes Treppenhaus mit modernem Treppenlift




Für Umbaumaßnahmen im Rahmen einer altersgerechten und barrierefreien Umrüstung gibt es diverse Fördermöglichkeiten z. B. der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Je nach persönlicher Ausgangslage können auch Zuschüsse von Kranken- und Sozialversicherungsträgern sowie Pflegekassen oder Pflegeversicherungen in Frage kommen. Dabei ist aber zu beachten, dass die Zuschüsse nur bezahlt werden, wenn diese vor den Umbaumaßnahmen auch von den Institutionen bewilligt wurden.

Wohnen Sie zur Miete, so sprechen Sie Ihren Vermieter/Eigentümer auf mögliche Umbaumaßnahmen an. Auch als Mieter können Sie von manchen Förderungen profitieren. Empfehlenswert ist dann eine Modernisierungsvereinbarung mit Ihrem Vermieter. Auch erhöht sich für Ihren Vermieter im Regelfall der Wert seiner Immobilie bei Umbaumaßnahmen im Rahmen einer barrierefreien Modernisierung.

Spielt die Gesundheit nicht mehr mit, so gibt es für die Erleichterung des Alltags inzwischen zahlreiche Hilfsmittel, die angeboten werden, um ein Leben mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit oder bei Pflegebedürftigkeit zu ermöglichen und die Selbstständigkeit im gewohnten Umfeld zu unterstützen. Neben Fachmessen, Sanitätshäusern, diversen Magazinen und Ratgeberbücher und dem Internet, können Sie sich auch bei einem Pflegestützpunkt oder Pflegedienst in Ihrer Nähe informieren. Oder wenden Sie sich an eine Wohnberatung, die sich auf das barrierefreie Wohnen spezialisiert hat. Bei Ihrer Krankenkasse können Sie auch um das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkasse bitten, nach dem Ärzte die notwendigen Hilfsmittel verschreiben. Eine häusliche Pflege- und Krankenversorgung ermöglicht es daher vielen, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, wenn die äußeren Umstände zum Beispiel dank eines Umbaus angepasst wurden.

Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile Nachteile
  • Man muss nicht umziehen und kann weiter in seinem gewohnten Umfeld leben
  • Betreuung durch Angehörige und soziale Dienste
  • Keine große Umgewöhnung notwendig
  • Gesteigertes Wohlbefinden durch den steten Kontakt zur Familie
  • Gewohnte Tagesabläufe bleiben weitestgehend vorhanden
  • Im Vergleich zu einer stationären Pflege sind die Kosten oft niedriger
  • Individuelle Abstimmung der Pflege und Wohnverhältnisse auf die Bedürfnisse des Betroffenen
  • Umbau des Wohnraumes zugunsten der Barrierefreiheit teils notwendig
  • Hohe psychische und physische Belastung für Angehörige im Falle von Pflegeunterstützung
  • Angehörige müssen je nach Pflegebedarf ihre Karriere unterbrechen oder aufgeben
  • Hoher Organisationsaufwand für Angehörige
  • Eine 24-Stunden-Betreuung ist nicht immer möglich
  • Nötige Pflege kann bei schweren Fällen (z.B. Demenz) oft nicht gewährleistet werden

* Fußnoten

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.