Behindertengerechte Immobiliensuche.

Fünf Tipps für eine barrierefreie Wohnungsbesichtigung.

Wenn Menschen eine neue Immobilie suchen, stehen für die meisten oftmals die Kosten und die Lage an erster Stelle. Dass sich darüber hinaus die Lebensumstände einmal drastisch ändern könnten, lassen viele unbedacht. Doch der Traum von den perfekten vier Wänden wird schnell zum Albtraum, wenn die eigene Wohnung oder das Haus aufgrund körperlicher Einschränkungen plötzlich nicht mehr bewohnt werden kann. Daher ist es ratsam, schon bei der Besichtigung auf Barrierefreiheit zu achten.



Sind Menschen erst einmal dauerhaft in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, muss entweder umgezogen oder behindertengerecht umgebaut werden – und das kann teuer werden. Dabei gibt es heute schon Möglichkeiten, für den Ernstfall vorzusorgen. Im Falle einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung sollte daher nicht nur die Immobilie an sich, sondern auch das Umfeld näher betrachtet und auf Barrierefreiheit geprüft werden. Auf folgende Punkte sollte bei der nächsten Wohnungsbesichtigung geachtet werden:

1. Barrierefreies Umfeld und Zugang zum Haus

Auch körperlich eingeschränkte Menschen sehnen sich oft nach Bewegung und wollen möglichst unabhängig Einkäufe erledigen oder Arztbesuche tätigen. Daher ist es wichtig, schon bei der Besichtigung der Immobilie darauf zu achten, dass umliegende Geschäfte und Arztpraxen behindertengerecht errichtet und die Wege sowie Anbindungen an die öffentlichen Verkehrsmittel gegeben und barrierefrei zugänglich sind. Ebenso wird ein behindertengerechter Parkplatz für PKWs benötigt, der die Menschen weiter darin unterstützt, mobil zu bleiben.

Der Weg vom Grundstück bis zum Hauseingang darf nicht durch Stufen oder Schwellen behindert sein. Damit es nicht zu Platzproblemen kommt, sobald sich ein oder zwei Rollstuhlfahrer bzw. ein Passant begegnen, sollten die Wege ausreichend breit sein.

Zu steile Rampen können zum Hindernis für bewegungseingeschränkte oder ältere Menschen werden, da ihnen oftmals die Muskelkraft fehlt, diese zu überbrücken. Daher empfiehlt es sich, auch den Rampen im Rahmen der Immobilienbesichtigung Beachtung zu schenken.

2. Barrierefreier Hauseingang

Die meisten Hauseingänge sind nicht stufenlos begehbar, dabei kann bereits eine kleine Stufe oder Schwelle einen Menschen mit körperlichen Einschränkungen vor große Herausforderungen stellen, überhaupt ins Gebäude zu gelangen. Eventuelle Höhenunterschiede müssen daher durch Lifts oder Rampen ausgeglichen werden. Daneben gibt es aber noch weitere Merkmale, die einen barrierefreien Zugang zum Haus gewähren:

  • Überdachung / Einrückung des Eingangsbereichs zum Schutz vor Witterung
  • 1,50 x 1,50 m freie Bewegungsfläche vor und hinter der Haustür
  • Durchgangsbreite der Haustür mindestens 90 cm
  • Gut erreichbare Bedienelemente (Briefkasten, Klingelanlage, Türgriff usw.) auf einer Höhe von 85 cm
  • Kontrastreiche Gestaltung und eine ausreichende Beleuchtung des Eingangsbereiches
  • Leichtgängige Tür bzw. elektrischer Türöffner
  • Rutschfester Bodenbelag
  • Bündig eingelegte Fußmatte zur Prävention von Stürzen

3. Barrierefreier Hausflur & Aufzug

Bei einem mehrstöckigen Haus sollte geprüft werden, ob der Fahrstuhl barrierefrei zugänglich ist. Dazu gehört auch, dass alle Bedienelemente gut erreichbar und auch Haltegriffe angebracht sind. Damit die Treppe auch von eingeschränkten Mietern nutzbar ist, müssen auf beiden Seiten Handläufe eingebaut und Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen geschaffen werden.

4. Barrierefreiheit in der Wohnung

Es bedarf das genaue Auge eines Fachmannes, um einschätzen zu können, ob die zu besichtigende Wohnung komplett barrierefrei ist. Daher ist es ratsam, einen Experten zur Wohnungsbesichtigung mitzunehmen und schon im Vorhinein beim Vermieter oder Verkäufer Grundrisse der Immobilie zu erfragen. Um festzustellen, ob Details zur barrierefreien Ausstattung im Kauf- oder Mietvertrag niedergeschrieben wurden, sollte dieser genauestens überprüft werden.

Merkmale einer barrierefreien Wohnung:

  • Türbreiten von 90 cm in der gesamten Wohnung
  • Keine Stufen und Schwellen im gesamten Wohnbereich
  • Ebenerdige Dusche im Bad
  • Ein unterfahrbarer Waschtisch
  • Genügend Platz in jedem Raum, um einen Rollstuhl zu wenden
  • Schalter, Türgriffe und weitere wichtige Bedienelemente in ca. 85 cm Höhe

Es empfiehlt sich, zu jeder Wohnungs- oder Hausbesichtigung eine Kamera mitzunehmen, worüber wichtige Punkte im Nachhinein noch einmal im Detail geklärt werden können.

5. Barrierefreier Zugang zum Balkon, Terrasse oder Garten

Für Ruhe und Erholung ist es wichtig, auch den Balkon, die Terrasse oder den Garten behindertengerecht zugänglich zu machen. Dazu gehört, dass weder Stufen noch Schwellen beim Übergang von der Wohnung zum Freiplatz vorhanden sein dürfen.

Damit sich an der Tür und in der Wohnung kein Regenwasser sammelt, sollten die Hausbesitzer spezielle Maßnahmen ergriffen haben, um diesen Umstand zu vermeiden. Das kann über einen Fachmann, aber selbst als Laie innerhalb eines bestimmten Rahmens überprüft werden. Auf folgende Merkmale sind dabei zu achten:

  • Entwässerungsrinne vor der Tür
  • Gefälle von der Tür weg

Um allen Bewohnern die Möglichkeiten zu bieten, Zeit im Freien zu verbringen, sollte genügend Platz vorhanden sein, um Sitzmöbel aufzustellen. Für das Wohlbefinden ist es wichtig darauf zu achten, dass der Freiplatz auch im Sitzen immer noch ausreichend Ausblick bietet.

* Fußnoten

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.