Klarheit schaffen.

Das Übergabeprotokoll für Haus- und Wohnungskauf.

Das Übergabeprotokoll für die Wohnung oder das Haus ist ein wichtiger Schritt, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Am besten verfasst man das Übergabeprotokoll zusammen mit allen Beteiligten bei Tageslicht, wenn der Vorbesitzer ausgezogen und der neue Besitzer noch nicht eingezogen ist.

Beim Übergabeprotokoll ist einiges zu beachten

Achten Sie darauf, dass das Übergabeprotokoll in dreifacher Ausführung angefertigt wird. Ein Exemplar erhält der Verkäufer, eins der Käufer und eins die Versorgungsunternehmen, wie Gas-, Strom- und Wasseranbieter. Ratsam ist es auch, das Haus oder die Wohnung in Begleitung eines Sachverständigen zu inspizieren. Viele Mängel fallen Laien gar nicht auf.

Lassen Sie sich auch alle Besonderheiten an Ihrem neuen Haus bzw. Ihrer neuen Wohnung erklären, z.B. Sicherungskasten, Filter- und Klimaanlagen, Öl- oder Gastanks, Wasseranschlüsse, ggf. Sauna, Verlauf von Kabeln, etc.

Wer erstellt das Übergabeprotokoll?

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, bei einem Hauskauf oder Wohnungskauf ein Übergabeprotokoll zu verfassen. Ebenso wenig ist geregelt, wer es anfertigt. Zur Vermeidung von späteren Streitigkeiten empfiehlt es sich aber, ein Übergabeprotokoll zu verfassen. Dies kann beispielsweise der Immobilienmakler übernehmen, sofern einer eingeschaltet ist. Es kann aber genauso gut auch vom Käufer oder Verkäufer angefertigt werden. Wichtig sind die Unterschriften aller Beteiligten und auch von Zeugen. Bei später auftauchenden Mängeln ist das Übergabeprotokoll unter Umständen ein wichtiges Beweismittel.

Wichtige Inhalte des Übergabeprotokolls

Das Übergabeprotokoll beim Haus- oder Wohnungskauf unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem einer Mietwohnung. Es ist nur wesentlich ausführlicher.

  • Lassen Sie sich alle Schlüssel aushändigen. Denken Sie dabei auch an die Schlüssel von Geräteschuppen, Garage oder sonstigen Nebengebäuden. Wenn noch Schlüssel nachgeliefert werden, gehört das auch ins Übergabeprotokoll.
  • Folgende Dokumente sollten bei einem Hauskauf übergeben werden, sofern vorhanden:
    - Mietverträge und Mieterakten
    - Baupläne, Grundrisse und statische Berechnungen
    - Energieausweis (Pflicht seit 2009)
    - Versicherungsscheine
    - Grundsteuerbescheide
    - alte Grundbuchakten
    - Untersuchungsunterlagen, z.B. für Schornstein, Heizung, Abwasseranlage, etc.
  • Notieren Sie pro Raum die Mängel, die der Verkäufer noch beseitigen muss. Dazu gehört auch ein Zeitpunkt, bis zu dem die Mängel zu beheben sind.
  • Notieren Sie die Zählerstände von Strom, Wasser und Gas und ob und wieviel Öl noch im Tank vorhanden ist und wie diese Restmenge verrechnet wird.
  • Lassen Sie sich die Rechnungen von allen kürzlich getätigten Renovierungsarbeiten sowie neu gekauften Einbauten wie Heizkörper, Fenster, Küchengeräte, etc. übergeben. So haben Sie im Garantiefall die Rechnung zur Hand. Auch evtl. vorhandene Garantiescheine und Bedienungsanleitungen sollten Sie sich aushändigen lassen.
  • Notieren Sie, ob der Verkäufer die Ver- und Entsorgungsunternehmen wie Müllabfuhr, TV-Kabelanschluss, etc. noch weiter bezahlt und bis zu welchem Zeitpunkt.

Muster-Übergabeprotokoll

Hier finden Sie einen Muster-Übergabeprotokoll zum herunterladen.

Schlüsselfertig Bauen: Was bei der Abnahme wichtig ist

Schlüsselfertiges Bauen ist eine bequeme Alternative für Bauherren, die den Bau nicht selbst organisieren wollen. Die Begriffe „schlüsselfertig“ und „bezugsfertig“ sind rechtlich nicht eindeutig definiert. Je detaillierter also der Bauvertrag formuliert ist, desto weniger Überraschungen gibt es am Ende.

Bei schlüsselfertigen Häusern entspricht die Abnahme dem Übergabeprotokoll. In der Abnahmebegehung werden Mängel festgehalten, die der Bauträger noch zu beheben hat. Die Praxis zeigt, dass es in den seltensten Fällen keine Mängel bei der Abnahme gibt.

Das Protokoll des Bauherrn bei der Abnahmebegehung sollte detailliert alle ersichtlichen Mängel und Schäden beschreiben. Es sollte außerdem Fotos der Mängel enthalten und die Unterschrift eines oder mehrerer Zeugen. Auch Fristen für die Beseitigung können im Abnahmeprotokoll festgehalten werden. Die Unterschrift des Bauträgers unter dem Abnahmeprotokoll ist nicht erforderlich, jedoch ist es immer besser, wenn diese vorhanden ist.

Unterschreiben die frischgebackenen Besitzer die Abnahme leichtfertig, haben sie trotzdem später noch die Möglichkeit, die Beseitigung eindeutiger Mängel oder auch Schadenersatz vom Bauträger einzufordern. Allerdings dreht sich mit unterschriebener Abnahme die Beweislast um. Hätte im Streitfall vorher der Bauträger nachweisen müssen, dass ein Mangel keiner ist, müssen jetzt die Bauherren beweisen, dass ein Mangel vorliegt. Das kann in der Praxis knifflig werden. Wer sich bei der Abnahmebegehung seine „Mängelrechte hinsichtlich der festgestellten Schäden vorbehält“, lässt sich damit ein Türchen offen. Überdies gibt es beim schlüsselfertigen Bauen noch eine fünfjährige Garantie.

* Fußnoten

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.