Barrierefrei wohnen.

Der behindertengerechte Umbau in Haus und Wohnung.

Barrierefreies Wohnen ist keine Idee des hohen Alters, denn körperliche Einschränkungen durch Krankheit oder Unfälle können uns jederzeit das Leben erschweren. Doch fachgerechte Umbaumaßnahmen sind teuer. Gut beraten ist daher der, der schon früh vorgesorgt hat.



Eine alters- oder behindertengerechte Immobilie zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Kaum 2% aller Wohnungen in Deutschland sind heute barrierefrei – dabei wird unsere Bevölkerung immer älter. Und je nachdem, welche Bedürfnisse ein pflegebedürftiger Mensch hat, sind kleinere oder größere Neu- oder Umbaumaßnahmen notwendig.

Damit es nicht zu unbeabsichtigten Fehlern kommt, wurde eine DIN-Norm (DIN 18040) für den barrierefreien Wohnraum ins Leben gerufen, in welcher feste Regelungen vermerkt sind, wie eine Wohnung barrierefrei einzurichten ist.

Zu den Umbaumaßnahmen für einen behindertengerechten Wohnraum gehören beispielsweise breitere Türen (lichte Breite mindestens 90 cm), Austausch der Badewannen gegen bodengleiche Duschen, Zimmervergrößerungen, Treppenlifte oder Rampen. Vor allem das Badezimmer bereitet pflegebedürftigen Menschen Schwierigkeiten, weshalb hier mehr Platz geschaffen und Haltevorrichtungen angebracht werden müssen, an denen sich die Pflegebedürftigen abstützen oder festhalten können. Für Rollstuhlfahrer sind viele Badezimmer zudem schlichtweg zu klein und zu eng.

Was kostet der barrierefreie Umbau?

Welchen Kosten-Umfang die behindertengerechte Modernisierung haben wird, ist pauschal nur schwer einzuschätzen. Ein barrierefreier, altersgerechter Umbau kann schon 2.000, aber auch weit mehr als 40.000 Euro kosten. Dies variiert je nach Umbausituation oder Qualität. Aber nicht nur der Wohnraum selbst, sondern auch der barrierefreie Zugang muss berücksichtigt werden.

Kostenbeispiele für das behindertengerechte Badezimmer

  • Badewanne mit Tür (ohne Montage): ab 5.300 Euro
  • Wandstützgriff (79 bis 90 cm lang) mit Montage: ab 280 Euro
  • höhenverstellbares WC mit Stützgriffen und Spülung (ohne Montage): ab 5.000 Euro
  • ebenerdige Dusche, gefliest mit Fußbodeneinlauf und Handlauf (1.50 x 1.50 m) mit Montage ab 3.300 Euro
  • höhenverstellbarer Waschtisch mit Spiegel (ohne Montage): ab 4.100 Euro
  • Sonstige barrierefreie Umbauten

Sonstige barrierefreie Umbauten

  • Treppenplattformlift, gerade Treppe, 5 m Lauflänge, ab 15.000 Euro
  • Türverbreiterung, mit Montage in Mauerwerk, einschl. Sturz ab 800 Euro (in Beton ab 650 Euro)
  • behindertengerechter Kfz-Stellplatz (3.50 x 5.00 m) ab 1.300 Euro

Pflegebedürftige Menschen, die in einer Mietwohnung leben und barrierefrei umbauen wollen, benötigen vor Baubeginn das Einverständnis ihrer Vermieter. Grundsätzlich darf sich dieser nicht gegen solche Umbaumaßnahmen stellen, sofern seine Interessen nicht überwiegen. Aber auch die Interessen anderer Mietparteien müssen gehört und berücksichtigt werden.

Da der Mieter nach § 554a BGB grundsätzlich Rechtsanspruch auf die Durchführung der baulichen Umbaumaßnahmen hat, kann dieser im Zweifel versuchen, sein Recht auf gerichtlichem Wege zu erstreiten, sollte der Vermieter ohne explizite Gründe der geplanten Modernisierungen nicht zustimmen wollen.

Es sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Vermieter trotz Bewilligung der Maßnahmen eine gesonderte Kaution für den Umbau verlangen kann, um sich finanziell abzusichern. Grund: Der Vermieter kann nach Auszug den Rückbau der barrierefreien Umbaumaßnahmen verlangen. So hat der Mieter sowohl die Kosten für den Umbau als auch für einen Rückbau zu tragen.

Grundsätzlich aber gilt: Wer hier rechtlich auf der sicheren Seite sein will, sollte im Vorfeld der Umbaumaßnahmen unbedingt rechtlichen Beistand suchen.

Finanzierungsmöglichkeiten, Zuschüsse und Förderungen

Wer seine Wohnung oder sein Eigenheim behindertengerecht modernisieren möchte, der kann sich bei der Finanzierung helfen lassen. Zum einen bieten Kommunen und Gemeinden zum Teil spezielle Förderprogramme an. Aber auch die bundeseigene Förderbank KfW bietet neben günstigen Krediten (Programm 159) noch Zuschüsse für fachgerechte Umbauten an (Programm 455). Je Wohneinheit können so bis zu 5.000 Euro für Einzelmaßnahmen und bis zu 6.250 Euro für Komplettmaßnahmen erwartet werden.

Zum anderen unterstützt auch die Pflegekasse ein behindertengerechtes Umbauen im eigenen Wohnumfeld. Wurde die betroffene Person in eine Pflegestufe eingestuft, beteiligt sich die Pflegekasse an den Umbaumaßnahmen mit bis zu 4.000 Euro.

Des Weiteren kann der barrierefreie Umbau auch über einen Bausparvertrag, über eine Sofortfinanzierung bei den Bausparkassen, über Wohn-Riester und über spezielle Kreditangebote bei den Banken und Sparkassen finanziert werden.

Behindertengerechte Umbaumaßnahmen sind steuerlich absetzbar

Kosten, die im Rahmen eines behindertengerechten Um- oder Neubaus entstehen, können gegebenenfalls als „außergewöhnliche Belastungen“ von der Steuer abgesetzt werden. Absetzbar sind grundsätzlich nur die Ausgaben, die sich mit einer Krankheit oder Behinderung belegen lassen. Außerdem zahlt das Finanzamt nur den üblichen Standard. Eine Ausführung in möglicher Luxusversion kann nicht geltend gemacht werden, da hierfür keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Als Alternative können die Kosten für die Handwerker steuerlich geltend gemacht werden. In diesem Fall werden die Materialkosten aber nicht berücksichtigt. Auch hier gilt, sich möglichst im Vorfeld der Umbaumaßnahmen steuerfachlichen Rat einzuholen.

* Fußnoten

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.