• Hausbau

Ein Einfamilienhaus nach Maß.

So geht’s trotz strenger Bauvorschriften.

Stefan Winter musste beim Bau seines Einfamilienhauses im niederrheinischen Bocholt strenge Bauvorschriften einhalten. Mit der Unterstützung durch den Architekten Jörg Biermann und einigem Verhandlungsgeschick gegenüber dem Bauamt der Stadt wurde eine Lösung gefunden, die die Vorgaben des Baurechts und die Bedürfnisse der Familie optimal unter einen Hut bringt.

„Kleines Haus – ganz groß“ war das Motto eines Architektenwettbewerbs der Stadt Bocholt für eine kleine Neubausiedlung. Es sollten Entwürfe für Singles, Paare und junge Familien gebaut werden. Auf kleinen 300-Quadratmeter-Parzellen, mit maximal 100 Quadratmeter Wohnfläche sowie hohen ökologischen und energetischen Standards.

Damit wollte die Kommune dem Trend zu immer größeren Wohnflächen entgegenwirken. Neben Bauherren mit begrenztem Budget waren auch ältere Paare angesprochen, von denen viele nach dem Wegzug der Kinder in Häusern leben, die ihnen eigentlich zu groß sind.

Einfamilienhaus mit Terrasse auf der Südseite

Der Weg zur Baugenehmigung

Der junge Bauherr Stefan Winter wollte sein Haus zunächst alleine bewohnen, dachte aber bei der Grundrissplanung schon an die spätere Familiengründung. So sollten zwei Kinderzimmer Platz finden und das Erdgeschoss als großzügiger, offener Alltags-Lebensraum gestaltet werden. All das braucht Fläche – und so war einiges an Feinarbeit nötig, um die baurechtlichen Vorgaben der Stadt mit dem Bedarf des Bauherrn in Einklang zu bringen.

Geleistet wurde diese Feinarbeit vom Bocholter Architekten Jörg Biermann sowie dem ebenfalls vor Ort ansässigen Haushersteller, der ZimmerMeisterHaus-Manufaktur Kampshoff. Beide sorgten dafür, dass der Leitsatz des Architektenwettbewerbs am Ende perfekt umgesetzt wurde: „Kleines Haus – ganz groß.“

Auf dem Weg zur Baugenehmigung kam dem Bauherrn entgegen, dass die Stadt von einigen allzu ehrgeizigen Zielen abrücken musste. Stefan Winter erinnert sich: „Bei diesen Wohnflächen wurde es schwierig, die Parzellen zu verkaufen, zumal man auch noch ohne Garage bauen musste. Deshalb hat die Stadt die Vorgaben nach und nach gelockert.“ Eine Garage wurde erlaubt, und das Haus hat 123 statt der geforderten 100 Quadratmeter Wohnfläche.

Die Grenzabstände voll ausgenutzt

Um auf der schmalen Parzelle möglichst viel Wohnraum zu schaffen, passte Architekt Jörg Biermann seinen Entwurf exakt an das nach hinten breiter werdende Grundstück an. So entstand ein vorn etwas schmalerer Baukörper, der an den Grundstücksseiten exakt den vorgeschriebenen Drei-Meter-Abstand zur Grenze einhält.

Von Vorteil war, dass der Bebauungsplan eine zweigeschossige Bauweise mit flachem Satteldach ermöglichte: Damit konnte der Architekt auch aus dem Obergeschoss das Maximum an Fläche herausholen.

Kreativer Umgang mit den Bauvorschriften

Die Holzschalung, die Architekt Jörg Biermann zur Auflockerung der Fassade vorschlug, wurde anstandslos genehmigt – obwohl nach dem Willen der Gemeinde die neun Einfamilienhäuser eigentlich eine völlig einheitliche Fassade erhalten sollten.

Andere Bauvorschriften fand der Bauherr absolut sinnvoll, etwa das Grasdach, das von der Gemeinde aus ökologischen Gründen finanziell gefördert wurde. Es bietet im Winter einen verbesserten Schutz vor Kälte und beugt im Sommer dem Hitzestau unterm Dach vor. Zudem kommt es dem Stadtklima zu Gute und bewahrt die Kanalisation bei starken Niederschlägen vor zu viel Regenwasser.

Einfamilienhaus mit angrenzenden Technik-,Hauswirtschafts- und Sanitärräumen

Hohe Energiestandards

Auch die vorgeschriebene energieoptimierte Bauweise kam Stefan Winter gerade recht: „Ich wollte ohnehin einen möglichst hohen Energiestandard und habe ein KfW-40-Haus gebaut.“ Er hat sich nur deshalb gegen ein Passivhaus entschieden, weil ihn die größeren Wandstärken zu viel Wohnfläche gekostet hätten.

An die vom Architekten vorgeschlagene Holzkonstruktion musste sich Winter erst gewöhnen. Erst nach der Besichtigung von Referenzobjekten ließ sich der Bauherr für die Holzleichtbauweise erwärmen. Heute ist er froh: „Nach einem Jahr im neuen Haus bin ich ein begeisterter Holzbau-Fan. Ich habe hier ein tolles Raumklima, im Winter angenehm warme Wandoberflächen und trotz der schlanken Wandquerschnitte unglaublich niedrige Nebenkosten.“

Einfamilienhaus nach Maß

Stefan Winter ist heute froh, dass es vor Baubeginn mehrere Planungsrunden gab. So konnte trotz knapper Grundfläche ein 48 Quadratmeter großer, offener Wohn-/Ess-/Kochbereich realisiert werden – auch dank großzügiger, zum Teil über Eck angeordneter Glasflächen. Ein zentrales Wandsegment gliedert das Raumensemble und nimmt einen Kaminofen auf – eine der vielen guten Ideen des Architekten.

Den Verzicht auf einen Keller kompensierte der Architekt durch „oberirdische“ Stauflächen: im Technik- und Hauswirtschaftsraum auf der Nordseite des Hauses, der Garage oder auch in Form von Einbauschränken.

Stefan Winter hat genau das Haus bekommen, das er wollte: „Schick und modern, mit geringem Verbrauch - und nicht zu groß.“

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